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von Alexandra David-Néel

Unsterblichkeit und Wiedergeburt

Alexandra David-Néel: Unsterblichkeit und Wiedergeburt. München: Nymphenburger in der F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung 2000, 240 S., 17,50 Euro
 
Viel Zeit ihres Lebens hat die französische Forschungsreisende in Asien verbracht, insbesondere in China, Tibet und Indien. Wie wenig andere hat sie sich intensiv mit der Gedankenwelt der Menschen dort auseinandergesetzt, und zwar nicht nur auf wissenschaftlicher Ebene - wozu sie durch ihr Studium an der Pariser Sorbonne befähigt war - sondern auch vo Blick der einfachen Menschen, unter denen sie sich während ihrer zahlreichen Reisen vorwiegend aufhielt.

Der Fragenkreis, mit dem sie sich in der vorliegenden deutschen Übersetzung (frz. Originalausgabe 1978) auseinandersetzt, hat die in China, Tibet und Indien auf die Frage nach dem Leben nach dem Tod gegebenen Antworten zum Thema. Mit der Feststellung, „die Vorstellung vom Aufhören des Daseins ist peinlich und einfach unerträglich für jedes Individuum“ führt sie uns zu der Feststellung, dass die Jenseitsvorstellungen der Völker sehr verschieden von den unseren sein können. Ob diese „Vorstellung vom Aufhören des Daseins“ tatsächlich so allgemein als „peinlich“ aufgefasst wird, ist zumindest mit Blick auf die buddhistische Erlösungslehre anzuzweifeln. Immerhin geht der ursprüngliche Therevada-Buddhismus gerade vom vollständigen Erlöschen „aller Daseinsfaktoren“ im Nirwana aus und beschreibt dies als den Zustand der Erlöstheit.
Im ersten Kapitel setzt sich die Autorin mit dem Daoismus auseinander, besser gesagt mit jenem Teil des Daoismus, der eigentlich ein Geflecht aus philosophischen Gedanken, den klassischen chinesischen Vorstellungen vom Menschen und seiner/n „Seele(n)“ sowie den erdachten Methoden alchimistischer Lebensverlängerung darstellt. Weshalb werden in China die Ahnen in kleinen Haustempeln verehrt und mit gutem Essen bei Laune gehalten? Im chinesischen Taoismus ging man davon aus, daß die Unsterblichkeit der Seele mit der Unsterblichkeit des Körpers verbunden sei, und suchte deshalb nach dem Elixier des ewigen Lebens, das auf den legendären Inseln der Seligen versteckt sein sollte. Ihre Ausführungen, erschlossen in alltäglichen Begegnungen während ihrer Ostasienaufenthalte, sind als sehr interessant, aber sicher nicht als vollständig anzusehen. Sie mag auch der wissenschaftlichen Betrachtung diverse Aspekte hinzufügen, doch kann sie diese nicht ersetzen.
Wie ist es möglich, daß in Tibet ein Magier an zwei Orten gleichzeitig sein kann? mag man als einführende Frage zur Vorstellungswelt der Tibeter gelten lassen. Die aufzählende Darstellung der vielfältigen Vorstellungen zum Sein und zum Kreislauf der Wiederkehr vermittelt die Grundzüge der tibetischen Gedankenwelt, ist aber fern davon, mit heutigen konzisen Darstellungen konkurrieren zu können. Als die große Stärke der Texte von David-Néel kann jedoch vor allem ihre leichte, eingängige Lesbarkeit gesehen werden, die, und dies ist wirklich lohnend, so nebenbei mit einigen westlichen Klischees über Wesen und Bedeutung tibetischer geistlicher Hierarchen (Dalai Lama) und der Größe des politischen Tibets aufzuräumen vermöchte.
Auch im Hinduismus glaubt man an Wiedergeburt, an das karman, durch das die Menschen im jetzigen Leben die Früchte ihrer vorherigen ernten. Wohl in kaum einer Kultur hat die religiöse Literatur eine solche Vielfalt komplexer Gedankensysteme zu diesem Thema (samt Schlussfolgerungen) hervorgebracht wie Indien - und doch nehmen in David-Néels Buch die indischen Vorstellungen gerade einmal ein Viertel des Umfangs ein. Sie können daher wohl kaum mehr als Streifzüge darstellen, was einem spätestens überdeutlich wird, wenn man A. Michaels’ umfassendes und überaus empfehlenswertes Werk über den „Hinduismus“ [Axel Michaels: Der Hinduismus - Geschichte und Gegenwart. München: Verlag C.H. Beck 1998, 460 Seiten, DM 58,-] zum Vergleich in die Hände nimmt. Die Komplexität der indischen Systeme führt sie immerhin an, wenn sie mit Blick auf das Joga schreibt: „Alle philosophischen Schulen, alle Religionen haben Sekten hervorgebracht, die durch vieles Anpassen an die in ihrem Verbreitungsgebiet vorherrschenden Tendenzen so weit kamen, dass sie den ursprünglichen Kern der Mutter-Lehre stark entstellten. Das Joga hält vielleicht den Rekord in der Anzahl solcher »Anpassungen«. (Zit. S.213)
Die französische Asien-Reisende ist sicher eine der bemerkenswertesten Frauen des 20. Jahrhunderts gewesen, die wie kein(e) andere(r) mit den Menschen, unter denen sie in Asien lebte, auf Tuchfühlung gegangen ist. Alexandra David-Néel legt durchaus eindrucksvoll dar, welche Vorstellungen mit Unsterblichkeit und Wiedergeburt in drei der großen philosophischen Kulturen Asiens verbunden sind, doch Vollständigkeit dürfen wir hiernicht erwarten. Sie verbindet ihr Wissen mit vielen persönlichen Erlebnissen und Geschichten, die ihr auf ihren Reisen erzählt wurden. Entstanden ist ein zuweilen durchaus tiefgehendes und unterhaltsam zu lesendes Buch, über das sich Leser, die sich noch nicht zu intensiv mit den betreffenden Kulturen auseinandergesetzt haben, wertvolle Anregungen holen können. Für die anderen stellt es eine anregende, aber nicht wirklich unverzichtbare Lektüre dar.
 

© Andreas Gruschke



Mönche und Strauchritter

Alexandra David-Néel: Mönche und Strauchritter. Eine Tibetfahrt auf Schleichwegen. München: Nymphenburger in der F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung 2002, 335 S., 22,90 Euro
[dt. Ausgabe von: Au pays des brigands gentilshommes, Plon 1933]
 
Mönche und Strauchritter. Eine Tibetfahrt auf Schleichwegen.
von Alexandra David-Neel
 

1921 bricht Alexandra David-Néel zu einer großen Tibetreise auf: Als tibetische Nonne verkleidet versucht sie zum ersten Mal, die verbotene Stadt Lhasa zu erreichen. Mit unvergleichlichem Humor, scharfer Beobachtungsgabe und ethnologischem Fachwissen beschreibt sie ihre Abenteuer mit wilden Banditen, mit Bön-Zauberern und gastfreundlichen Nomaden und die religiösen und magischen Bräuche der Tibeter.

"Alexandra David-Neel bereiste über viele Jahre Tibet und andere asiatische Länder. Oft war sie die erste westliche Frau, die jemals dort war. Sie schrieb Werke, von denen man nicht weiß, ob sie als Reiseerzählungen, Romane, ethnologische Berichte oder gar als Mystik einzuordnen sind. Wahrscheinlich sind sie in ihrer anmutigen Prosa alles zugleich, da Alexandra David-Neel durch staunenswerte Energie zahllose Interessen bündeln konnte." 

Frankfurter Allgemeine Zeitung 
© Andreas Gruschke






 
 
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