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Buchbesprechungen
Verschiedene Autoren, Themen, Regionen:
Der Fragenkreis, mit dem sie sich in der
vorliegenden deutschen Übersetzung (frz. Originalausgabe 1978) auseinandersetzt,
hat die in China, Tibet und Indien auf die Frage nach dem Leben nach dem
Tod gegebenen Antworten zum Thema. Mit der Feststellung, „die Vorstellung
vom Aufhören des Daseins ist peinlich und einfach unerträglich
für jedes Individuum“ führt sie uns zu der Feststellung, dass
die Jenseitsvorstellungen der Völker sehr verschieden von den unseren
sein können. Ob diese „Vorstellung vom Aufhören des Daseins“
tatsächlich so allgemein als „peinlich“ aufgefasst wird, ist zumindest
mit Blick auf die buddhistische Erlösungslehre anzuzweifeln. Immerhin
geht der ursprüngliche Therevada-Buddhismus gerade vom vollständigen
Erlöschen „aller Daseinsfaktoren“ im Nirwana aus und beschreibt dies
als den Zustand der Erlöstheit.
Im ersten Kapitel setzt sich die Autorin
mit dem Daoismus auseinander, besser gesagt mit jenem Teil des Daoismus,
der eigentlich ein Geflecht aus philosophischen Gedanken, den klassischen
chinesischen Vorstellungen vom Menschen und seiner/n „Seele(n)“ sowie den
erdachten Methoden alchimistischer Lebensverlängerung darstellt. Weshalb
werden in China die Ahnen in kleinen Haustempeln verehrt und mit gutem
Essen bei Laune gehalten? Im chinesischen Taoismus ging man davon aus,
daß die Unsterblichkeit der Seele mit der Unsterblichkeit des Körpers
verbunden sei, und suchte deshalb nach dem Elixier des ewigen Lebens, das
auf den legendären Inseln der Seligen versteckt sein sollte. Ihre
Ausführungen, erschlossen in alltäglichen Begegnungen während
ihrer Ostasienaufenthalte, sind als sehr interessant, aber sicher nicht
als vollständig anzusehen. Sie mag auch der wissenschaftlichen Betrachtung
diverse Aspekte hinzufügen, doch kann sie diese nicht ersetzen.
Wie ist es möglich, daß in
Tibet ein Magier an zwei Orten gleichzeitig sein kann? mag man als einführende
Frage zur Vorstellungswelt der Tibeter gelten lassen. Die aufzählende
Darstellung der vielfältigen Vorstellungen zum Sein und zum Kreislauf
der Wiederkehr vermittelt die Grundzüge der tibetischen Gedankenwelt,
ist aber fern davon, mit heutigen konzisen Darstellungen konkurrieren zu
können. Als die große Stärke der Texte von David-Néel
kann jedoch vor allem ihre leichte, eingängige Lesbarkeit gesehen
werden, die, und dies ist wirklich lohnend, so nebenbei mit einigen westlichen
Klischees über Wesen und Bedeutung tibetischer geistlicher Hierarchen
(Dalai Lama) und der Größe des politischen Tibets aufzuräumen
vermöchte.
Auch im Hinduismus glaubt man an Wiedergeburt,
an das karman, durch das die Menschen im jetzigen Leben die Früchte
ihrer vorherigen ernten. Wohl in kaum einer Kultur hat die religiöse
Literatur eine solche Vielfalt komplexer Gedankensysteme zu diesem Thema
(samt Schlussfolgerungen) hervorgebracht wie Indien - und doch nehmen in
David-Néels Buch die indischen Vorstellungen gerade einmal ein Viertel
des Umfangs ein. Sie können daher wohl kaum mehr als Streifzüge
darstellen, was einem spätestens überdeutlich wird, wenn man
A. Michaels’ umfassendes und überaus empfehlenswertes Werk über
den „Hinduismus“ [Axel Michaels: Der Hinduismus - Geschichte und Gegenwart.
München: Verlag C.H. Beck 1998, 460 Seiten, DM 58,-] zum Vergleich
in die Hände nimmt. Die Komplexität der indischen Systeme führt
sie immerhin an, wenn sie mit Blick auf das Joga schreibt: „Alle philosophischen
Schulen, alle Religionen haben Sekten hervorgebracht, die durch vieles
Anpassen an die in ihrem Verbreitungsgebiet vorherrschenden Tendenzen so
weit kamen, dass sie den ursprünglichen Kern der Mutter-Lehre stark
entstellten. Das Joga hält vielleicht den Rekord in der Anzahl solcher
»Anpassungen«. (Zit. S.213)
Die französische Asien-Reisende ist
sicher eine der bemerkenswertesten Frauen des 20. Jahrhunderts gewesen,
die wie kein(e) andere(r) mit den Menschen, unter denen sie in Asien lebte,
auf Tuchfühlung gegangen ist. Alexandra David-Néel legt durchaus
eindrucksvoll dar, welche Vorstellungen mit Unsterblichkeit und Wiedergeburt
in drei der großen philosophischen Kulturen Asiens verbunden sind,
doch Vollständigkeit dürfen wir hiernicht erwarten. Sie verbindet
ihr Wissen mit vielen persönlichen Erlebnissen und Geschichten, die
ihr auf ihren Reisen erzählt wurden. Entstanden ist ein zuweilen durchaus
tiefgehendes und unterhaltsam zu lesendes Buch, über das sich Leser,
die sich noch nicht zu intensiv mit den betreffenden Kulturen auseinandergesetzt
haben, wertvolle Anregungen holen können. Für die anderen stellt
es eine anregende, aber nicht wirklich unverzichtbare Lektüre dar.
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